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Was ist ein Corps?
Ein Corps ist ein Zusammenschluß von Studierenden mit dem Ziel, einen lebenslangen Freundeskreis zu bilden. Es verfolgt dabei weder politische, sportliche, gesellschaftliche oder kreative Ziele, sondern dient der Freundschaft zwischen seinen Mitgliedern.
Gleich welchen Alters, welcher Fakultät, welcher Herkunft, Nationalität oder politischen Couleur - die Corpsbrüder werden durch das Tragen von Bändern als Zeichen der Verbundenheit, ein eigenes Corpshaus als Treffpunkt, die Pflege alter Bräuche und das Fechten zur Stärkung der Gemeinschaft geeint.
Grundvoraussetzungen sind die Verpflichtung der Corpsbrüder zur Wahrung und Achtung der Menschenwürde, zur Toleranz in religiöser, wissenschaftlicher, politischer, rassischer und weltanschaulicher Hinsicht; und zur ehrlichen Bemühung um die Freundschaft jedes Corpsbruders.
Diese umfassende Toleranz unterscheidet ein Corps im Wesentlichen von anderen Studentenverbindungen (wie Burschenschaften, Landsmannschaften, Turnerschaften, katholischen oder christlichen Studentenverbindungen u.a.).
Ist ein Corps heute zeitgemäß?
Manchmal ist es gut, nicht mit dem Zeitgeist zu gehen. In den 30er Jahren wurde dies deutlich. Wer über viele Generationen eine Brücke schlagen will, kann weder allein der Mode von heute noch der von gestern entsprechen. Trotzdem bleibt nicht zu vergessen, daß das Corps durch junge Studenten geleitet wird, die genauso von der heutigen Welt geprägt sind, in ihr leben und die so zeitgemäß und modern sind wie jeder andere Student auch.
Was ist das Corps Bavaria?
Selbst während staatlicher Verbote Anfang des letzten Jahrhunderts und in der Nazi-Zeit lebte das Corps Bavaria - zumindest im Untergrund - seit der Gründung im Jahre 1806 ununterbrochen fort. Die Gründer waren junge Studenten, und in ihrer Folge sind mittlerweile weit über 2000 Studenten im Corps Bavaria aktiv geworden. Es umfaßt heute über 200 Alte Herren (ehemalige Studenten) und zwischen 20 und 30 aktive Studenten. Das Corps Bavaria versteht sich als “Lebenscorps”, das heißt, man darf kein zweites Band “aufnehmen” also bei keinem anderen Corps Mitglied sein.
Kann man mit so vielen Leuten befreundet sein?
Das Corps kann zunächst nur die Bereitschaft, das Bemühen um Freundschaft von seinen Mitgliedern verlangen. Mit der Überreichung des Bandes ist noch keine Freundschaft hergestellt. Aber die Offenheit der Corpsbrüder muß nur erwidert werden: das Corpsleben bietet viele Anknüpfungspunkte und Gemeinsamkeiten. Durch die Vielzahl der Corpsbrüder, ihre Unterschiedlichkeit und durch den Nachwuchs ist garantiert, daß man immer wieder neue Freunde entdecken kann.
Wo steht das Corps Bavaria politisch?
Das Corps fordert den Einsatz der Corpsbrüder für die Demokratie. Es braucht zu seiner vollen Entfaltung einen freiheitlichen Rechtsstaat. Darüber hinaus jedoch enthält sich das Corps jeder politischen Stellungnahme. Politische Aktivitäten sind auf dem Haus untersagt.
Wie ist ein Corps aufgebaut?
Während der ersten vier Semester nach Eintritt in das Corps gestaltet jeder Corpsbruder die Veranstaltungen des aktiven Corps mit, das ist die sogenannte Aktivenzeit. In diesen Semestern gibt es außerdem viele gemeinsame Unternehmungen, die sich aber durchaus gut in den normalen Zeitplan eines Studeten einpassen lassen. Dabei ist man im Regelfall die ersten zwei Semester Fuchs, im dritten und vierten Semester Corpsbursch. Die Corpsburschen bilden den Corps-Convent (CC), das leitende Organ des Corps. Dieses Organ entscheidet nach Mehrheitsprinzip und wählt für jedes Semester neue Amtsträger (Senior, Consenior, Fuchsmajor und Sekretär). Auch die Aufnahme neuer Mitglieder obliegt dem CC.
Nach vier Semestern kann sich der Aktive zur Vertiefung der Studien inaktivieren lassen. Die aktive Mitarbeit im CC findet damit ein Ende. Nach Abschluß des Studiums wird man schließlich Alter Herr (AH), also möglicherweise schon mit 25 Jahren. Als AH ist man verpflichtet, nach Maßgabe seiner Möglichkeiten das Corps idiell und finanziell zu unterstützen.
Wer kann aktiv werden ?
Obwohl Damen zu vielen Veranstaltungen herzlichst willkommen sind und das Corpsleben auch in einigen Punkten mitgestalten, können sie selber im Corps Bavaria nicht aktiv werden. Als Voraussetzungen gelten, daß man an einer Münchner Hochschule eingeschrieben ist und sich dem Toleranzprinzip des Corps verschreibt. Da wir eine schlagende Verbindung sind, müssen alle Corpsbrüder während ihrer Aktivenzeit vier Mensuren absolvieren.
Wird da gesoffen?
Im Corps Bavaria trinkt jeder was, wann und wieviel er will. Es gibt kein Trinkritual. Ein Biercomment, der auch gewisse Trinkzwänge enthielt, wurde im Jahr 1822 eingeführt. Bereits 1823 wurde er wieder abgeschafft - das Trinken auf Befehl haben die Münchner Bayern schon damals aus Prinzip abgelehnt. So ist es bis heute.
Warum wird gefochten?
Das Fechten ist eine Pflicht, der sich alle aktiven Corpsbrüder unterziehen. Für einige bedeutet dies eine enorme Herausforderung, für andere ist es eine Aufgabe, die ihnen leicht von der Hand geht. Sie haben ihre Freude daran. Das Mensurfechten verlangt jedoch von jedem eine Selbstüberwindung; es manifestiert die Bereitschaft, sich einzusetzen. Durch das Training miteinander, die gegenseitige Unterstützung vor und während der Mensur vermittelt es eine Gemeinsamkeit des Erlebens, die zum Zusammenhalt im Corps wesentlich beiträgt. Und es steht außer Zweifel: eine Gemeinschaft, in der jeder eine solche Hürde überwinden muß, hält mehr zusammen als ein Verein, der nur pünktliche Beitragszahlung verlangt.
Natürlich könnten wir das Fechten aufgeben und durch andere Prüfungen ersetzen (z.B. Bergsteigen, Bungee-Springen, Paragliden). Dies hätte eventuell eine vergleichbar positive Wirkung auf den Zusammenhalt, nur, solche Dinge sind lebensgefärlich, das Fechten nicht.
Welche Vorteile bringt einem das Corps?
Zunächst ist es hier möglich, einen vielseitigen Freundeskeis zu gewinnen - zusätzlich zu dem, den man schon hat. Mit Freunden aus allen Altersklassen und (fast) allen Fakultäten (die letzte Zählung im Corps Bavaria ergab 25 Fachrichtungen von Afrikanistik bis Zahnmedizin). Ein solcher Freundeskreis ist eine permanente intellektuelle Herausforderung. Durch die abwechslungsreichen Semesterprogramme lernt man dazu die seltsamsten Hobbies, interessantesten Themen, absurdesten Sportarten und entlegensten Bergdörfer kennen.
Als Student findet man schnell Kontakt zu älteren Semestern seines Studienganges und schöpft aus einem großen Reservoir guter Erfahrungen. Rat und Unterstützung kann man sich natürlich auch bei berufserfahrenen Alten Herren seines Faches holen.
Das Corpshaus ist groß, es bietet einen immer belebten Treffpunkt; man kann dort genauso ausgelassen feiern wie fleißig studieren, und im Corpshaus zu wohnen kostet nur eine geringe Miete.
Wenn die Studienzeit vorbei ist, läuft einem der Freundeskreis nicht weg. Man bleibt immer in Kontakt, auch wenn er einen für ein Jahrzehnt ans andere Ende der Welt verschlägt oder man sich mal einige Zeit ganz dem Beruf oder der Familie widmen muß. Den Wert eines so beständigen, sich immer verjüngenden Freundeskreises lernen manche leider erst dann kennen, wenn es zu spät ist, um noch in einem Corps aktiv zu werden.
Wo soll ich die Zeit hernehmen?
Der Tag hat für jeden nur 24 Stunden. Wer aktiv leben und seine Zeit nutzen will, muß sie sich einteilen. Da hat jeder noch Reserven. Immer wenn man etwas Neues anfängt, muß sich die Zeitaufteilung auch neu einspielen. Man merkt wärend der Fuchsenzeit, ob es einem gelingt, ob einem das Aktivsein soviel Spaß bringt, daß nicht von unverhältnismäßig großen Zeitopfern gesprochen werden muß. Wer aber in seinem bisherigen Tagesablauf festgefahren ist und sich keinesfalls stören lassen will, der sollte eher nicht im Corps aktiv werden. Das Vorhaben, "Freunde für's Leben" zu gewinnen, kostet sicher Zeit.
Leidet das Studium?
Nein. Corpsstudenten machen genau dieselben Examina wie andere, genauso schnell oder langsam, es fallen genauso viele durch wie “normale” Studenten. Natürlich, wer nichts anderes tut als studieren, keine Hobbies, keine Freunde oder keine Freundin hat, der studiert vielleicht schneller, macht vielleicht auch ein besseres Examen. Aber so studieren die Allerwenigsten, und die haben nicht begriffen, daß die Studienzeit eine unwiederbringliche Zeit ist, die nicht nur der Ausbildung, sondern auch der Bildung dient.
Wer dazu neigt, seine Zeit zu verbummeln, der tut dies auch (und wir meinen: erst recht) ohne Corps. Und wer zielstrebig studiert, der kann dies auch bei einem zusätzlichen Engagement, sei es in einer Partei, in einem Verein oder im Corps.
Wir suchen natürlich den Mittelweg: der humorlose Fachidiot scheint uns so nutzlos wie der Ewige Student. Wir wollen weder sie Scheuklappen des Strebers noch die Richtungslosigkeit des Bummelanten. Wir wollen Freunde, die etwas leisten; und die ihre Studienzeit in einer Weise abschließen, daß sie sagen können: es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt!
Warum sagen wir das alles?
Wir müssen uns ganz schön anstrengen: Freunde zu finden ist nicht leicht, und die schlechte Presse für Corps findet leider immer wieder Nahrung durch Schwarze Schafe in der sehr vielfältigen Landschaft der Studentenverbindungen. Von Ressentiments, Schwellenangst und Desinformation zur Sympathie oder gar Begeisterung ist ein langer Weg. Wir wollen auf diesem Weg besser über uns informieren; hoffentlich wecken wir auch Interesse, uns näher, auch persönlich kennenzulernen und uns die vielen noch offenen Fragen zu stellen. Wir wollen Mut machen, mit uns Kontakt aufzunehmen und einmal eine Einladung zu einer Veranstaltung anzunehmen. Wir freuen uns über jeden Gast, aber wir drängen niemanden, dem Corps beizutreten. Nötigung ist kein guter Start für eine lebenslange Freundschaft. Wir wollen jeden kennenlernen, der sich für uns interessiert. Und wir bieten jedem, der nach unserer Meinung zu uns passen könnte, den Versuch einer Probezeit als Fuchs beim Corps Bavaria an.
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